Geiz ist geil
!!! aber fehl am platz !!!

Ein Bericht über das Elend hinter der Zucht von Modehunden.
Die Transaktion aus dem Kofferraum dauert nur einige Minuten. Der Hundehändler hat es sehr eilig, murmelt etwas von er müsse schnell weiter, sackt rasch die 400 Euro ein und übergibt uns einen fünfwöchigen Rattler-Welpen. Die Papiere werde nachgeschickt. Keine Fragen, keine Instruktionen, nichts.
Die Vorbereitungen zu diesem fragwürdigen Stelldichein dauerten etwas länger. Die Telefonnummer des Händlers fand sich in einem Inserat im Internet. Unsere Aufmerksamkeit erregte die Nummer, da es eine Handynummer aus der Tschechei war. Wir waren einem üblen Hundehändler auf der Spur. Vorzugsweise in Grenznähe zu Deutschland und Tschechien, Polen sowie Osteuropa unterhalten clevere Hundehändler regelrechte Hundefabriken. Das Geschäft floriert. Die Nachfrage nach Modehunden und putzigen Hundewelpen ist groß. Der Verkauf wird über Telefon abgewickelt. Wenn genügend Bestellungen aus einer Region vorliegen, organisiert der Händler die Übergabetermine, bevorzugt gleich auf Autobahnraststätten. So verliert er weniger Zeit. Und kann schnell entkommen. Es wird auch oft angeboten, denn Hund nach Hause zu liefern, dieser wird dann aus dem Auto heraus verkauft.
Jeder will so einen niedlichen, kleinen Hund und nimmt auch die paar Kilometer bis an die Grenze in Kauf.
So auch Herr E., er wird die Reise jedoch nicht so schnell vergessen. “Ich
wäre nie auf den Gedanken gekommen, daß ich ein todkrankes Tier mit nach Hause
nehme", meint er heute verbittert. Binnen einem halben Jahr hat Herr E. für
seinen Rattler- Welpen den vierfachen Kaufpreis für Tierarztrechnungen
ausgegeben. Wahrlich teures Lehrgeld!!
Als Herr E. den Impfpass genauer untersucht, fallen ihm Ungereimtheiten auf. Er
beschließt, eine E-Mail an uns zu schreiben, um uns um Hilfe zu bitten. Darauf
hin machten wir diesen Händler ausfindig und vereinbarten einen Termin für den
Welpenkauf...
Wir bekamen Zuschriften von weiteren Hundehaltern, die sehr verzweifelt waren, weil sie und ihre Tiere schon sehr viel Leid hinter sich hatten. Von dreißig verkauften Welpen sind acht nach bereits drei Tagen verstorben! Blutigen Durchfall hatten alle, des weiteren schlimme allergische Hauterkrankungen und haben Angst vor allem was sich bewegt!!!
Als zuständiger Zuchtwart eines speziell gegründeten Rassehund-Verbandes stellte sich der Hädler seine Papiere gleich selbst aus. Aus diesen geht hervor, daß ein und dieselbe Hündin innerhalb von 20 Tagen drei Würfe hatte, was wohl eine biologische Unmöglichkeit sein dürfte...
Wir stellten besagten Händler zur Rede, drohten mit einer Anzeige...
Ein erster Schritt doch oft sinnlos, denn die verbrecherischen Züchter machen
unter dem Namen ihrer Frau, Freundin oder eines Strohmannes meistens weiter.
Den Welpennachschub organisierte sich der Züchter hinter der Grenze, im
benachbarten Tschechien. Dort wurde von Zulieferanten in regelrechten
Zuchtfabriken Nachschub produziert. Da müssen Geschwisterpaarungen oder
Vater-Tochter-Paarungen vorgenommen worden sein, oder aber Rüden oder Hündinnen
zur Zucht genommen, die nicht hundertprozentig in Ordnung waren.
Das schöne Wohnhaus an der deutschen Grenze zu Tschechien mit Wurfbox im
geräumigen Wohnzimmer sollte den Kaufwilligen Seriosität vorgaukeln.
Erstaunlich viele Leute fielen darauf rein.
"Als ich hinkam, waren drei Welpen im Kofferraum und in der Box waren auch
noch fünf", erzählte Herr E. " Ich sagte mir, irgendwas stimmt da nicht. Und
als ich dieses Auto mit tschechischem Kennzeichen sah, da hab ich gesagt, hier
stinkt es." Und trotzdem fährt Herr E. mit dem kleinen Rattler-Welpen ‘Sammy’
nach Hause. “Der ganze Aufenthalt dauerte vielleicht zehn Minuten.", erzählt
er, “da lag das Geld, und dann war die Sache für den "Züchter" erledigt. Und so
ist es dann auch den anderen Leuten ergangen. Wenn der Züchter sein Geld hatte,
dann ging alles ganz schnell. Da ist keiner gewesen, der den Kaufvertrag
richtig durchgelesen hat. Ich habe schon einige Verträge machen müssen, ich bin
selbständig und ich weiß, wie man mit solchen Sachen umzugehen hat. Aber in
diesem Moment hab ich halt nur noch den süßen Welpen gesehen."
Also, liebe Leute,
FAZIT: Einem Händler sieht man nicht unbedingt an, dass er ein Händler ist, denn das ist sein Geschäft!
Sollte euch beim Welpenkauf Ähnliches passieren, lasst es sein und fahrt wieder nach Hause. Denn von deinem Geld kann dieser Händler 5 neue Welpen
kaufen!!! Ist es das wert???
| Aus: Die Welt
7.3.96
Welpen werden wie am Fließband produziert Hessische Tierschutzbeauftragte schlägt Alarm: Von PETER SCHERER Aber auch in Deutschland wird "am laufenden Band produziert". Dazu die hessische Tierschutzbeauftragte Madeleine Martin zur WELT: "Die deutsche Hunde-Mafia sitzt in Niederbayern." Was Frau Martin, für die es grundsätzlich "keine seriösen Hundehändler gibt", unter "Massenproduktion" von Hunden versteht, erläutert sie so: "Die Tiere leben überwiegend in kleinen Zwingern oder Boxen, ohne ausreichenden Kontakt zu Menschen und Umwelt. Hündinnen werden alljährlich gedeckt und so zu Gebärmaschinen degradiert. Die Welpen wiederum werden oft zu früh von der Mutter getrennt und ohne die notwendige Zuwendung gehalten." Eine derartige Aufzucht ist nicht nur nach Meinung von Frau Martin ein "Tierschutzskandal", gegen den der Gesetzgeber endlich vorgehen müsse. Insbesondere müssten sehr viel höhere Anforderungen für den Sachkundenachweis vorgeschrieben werden, den Züchter zu erbringen haben, die mit mehr als drei Hündinnen züchten. Welpen aus Massenzuchten könnten im übrigen auch zu einer Gefahr für die Menschen werden. "Leicht werden Hunde solcher Herkunft zu neurotischen, gefährlichen Beißern", warnt die Tierschutzbeauftragte. Selbst ursprünglich sehr menschenfreundliche und ausgeglichene Rassen, wie die in Mode gekommenen Golden Retriever, seien davon betroffen. Nachdrücklich setzt sich Frau Martin deshalb für ein "Ende des gewerblichen Hundehandels und strengere, zeitgemäße gesetzliche Bestimmungen zur Hundehaltung" ein. Ihrer Auffassung nach ist eine tiergerechte Hundeaufzucht und -haltung im gewerblichen Hundehandel "fast nie zu finden". Unter gewerblichem Handel versteht sie dabei jene "Hundeproduzenten", die den größten Teil ihres Lebensunterhalts aus der "Fließbandzucht" bestreiten. Bei seriösen Züchtern finde ihre Forderung im übrigen volle Zustimmung. Kaufinteressierten Hundefreunden empfiehlt sie:
Seriöse Zuchten liefern keine Hunde auf Bestellung für den nächsten Tag.
Niemals einen Hund an der Haustür oder auf einem Parkplatz kaufen. Seriöse
Züchter haben in der Regel nur eine Rasse. |